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Uganda: Presse und Politik verschärfen homophoben Terror

(Kommentare: 4)

Ugandas Präsident Museveni verbreitet mit seiner Homophobie das Image eines rückständigen und grausamen Afrikas

Soeben hat der Präsident Ugandas Yoweri Museveni ein Gesetz unterzeichnet, welches die bereits seit Langem in Uganda und in vielen anderen afrikanischen Ländern praktizierte Verfolgung von gleichgeschlechtlichen sexuellen Kontakten zwischen zustimmungsfähigen Erwachsenen verschärft.

 

Erstmals wird mit diesem Gesetz nicht nur homosexuelles Verhalten zwischen Männern, sondern ebenso zwischen Frauen kriminalisiert. Das Gesetz sieht lebenslange Freiheitsstrafen für gleichgeschlechtliche Sexualkontakte und gleichgeschlechtliche Beziehungen und Ehezeremonien vor. Von der vorherigen Forderung der Todesstrafe wurde demgegenüber aufgrund internationaler Proteste abgesehen.

 

Präsident Museveni versteht seine Unterschrift auch als ein Zeichen für die afrikanische Unabhängigkeit und den Widerstand gegen Einmischung westlicher Staaten in die inneren Angelegenheiten des Landes. Homosexualität wird dabei als ein westliches Exportprodukt betrachtet, wobei das Gesetz erforderlich sei, weil westliche Homosexuelle Afrikaner - und zwar spezifisch afrikanische Kinder - zur Homosexualität verführen würden.

 

Tatsächlich ist das Gesetz allerdings selbst ein Ausdruck auch außerafrikanischer Einflüsse, da es in enger Kooperation und propagandistischer Bündelung der Kräfte homophober Politiker und Religionsführer innerhalb Ugandas mit westlichen fundamentalistischen Christen, die insbesondere aus den USA stammen, entstand.

 

Eine aus dem Westen nach Afrika exportierte fundamentalistische Interpretation des Christentums hat maßgeblich zu dem Gesetz wie überhaupt zur homophoben Stimmung in Uganda beigetragen, während ein entsprechender Einfluss traditioneller afrikanischer Religionen nicht erkennbar ist. Hintergründe und Namen werden in diesem Artikel von Haley Mcewen genannt.

 

Gleichzeitig mit der Unterzeichnung des Gesetzes durch Museveni hat die Zeitung "Red pepper" unter dem Titel "Exposed" eine Liste tatsächlich oder angeblich schwuler und lesbischer Menschen aus Uganda sowie ihrer tatsächlichen oder vermeintlichen Unterstützer veröffentlicht. Diese  Liste steht in der Tradition einer vorherigen vergleichbaren Veröffentlichung aus dem Jahr 2011, deren Veröffentlichung sogar in Tötungsdelikten mündete.

 

Geschichtlich werden Parallelitäten zu der früheren nationalsozialistischen Zeitung "Der Stürmer" erkennbar. Wie der Stürmer jüdische Menschen, so werden in Uganda durch "Red Pepper" nunmehr Homosexuelle öffentlich der Ächtung preisgegeben, wobei dadurch provozierte Tötungsdelikte in Kauf genommen, wenn nicht sogar unausgesprochen gewollt werden.

 

Indem der ugandische Präsident Museveni die Verfolgung Homosexueller als Ausdruck einer afrikanischen Emanzipation darstellt, trägt er in Wirklichkeit zur weltweiten Schädigung des Ansehens Afrikas bei und erzeugt medial den  - übrigens unbegründeten - Eindruck, der gesamte Kontinent sie durch wissenschaftlich unhaltbare und allein auf Hass und Unwissen begründete Vorurteile geprägt.

 

Dem steht aber das Beispiel des Afrikaners Nelson Mandela gegenüber, der sich offensiv für die volle Gleichberechtigung schwuler und lesbischer Menschen einsetzte und sicher stellte, dass das Erfordernis dieser Gleichberechtigung auch in der südafrikanischen Verfassung enthalten ist. Wohlgemerkt nicht in der Verfassung des Apartheid-Regimes, sondern in der Verfassung desjenigen Südafrikas, welches mit maßgeblicher Beteiligung Nelson Mandelas das System des staatlich vorgegebenen Rassenhasses überwandt und sich - gerade deswegen - ebenso entschieden gegen Homophobie und Sexismus wendete. 

 

Die Unterzeichnung des Gesetzes gegen Homosexuelle in Uganda durch Präsident Musuvenoi ist als ein menschenverachtender, barbarischer und tiefgreifender Wissensdefizite beruhender Akt zu bewerten, der eine entschiedene internationale Reaktion verlangt - nicht gegen Uganda oder gar den ganzen afrikanischen Kontinent, sondern für Uganda und Afrika, indem Menschenrechtsverletzer demaskiert und das positive Rollenmodell Nelson Mandelas als Ausdruck von Menschenwürde, Gerechtigkeit und eines fortschrittlichen Afrikas international noch bekannter gemacht wird.

 

Derweil ist es die Anforderung an alle, denen die Menschenrechte am Herzen liegen, Menschen, die aufgrund ihrer Homosexualität verfolgt werden, zu unterstützen und an der Seite derjenigen mutigen Männer und Frauen aus Uganda zu stehen, die selbst in diesen dunklen Zeiten unter Gefahr für ihr Leben und ihre Freiheit für die Menschenwürde für alle Menschen in Uganda einstehen. Der heldenhafte Einsatz von ihnen wird beispielsweise durch die International Gay and Lesbian Human Rights Commission dokumentiert und unterstützt. Nicht die homophoben Hassprediger, sondern diese Menschen sind es, auf die der gesamte afrikanische Kontinent stolz sein kann.

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Kommentar von Leonard Dornhöfler |

Wollt ihr euch nicht um echte Menschenrechte kümmern? Jeglicher Ansatz zur Bekämpfung von Sextourismus und Pädophilie ist in meinen Augen begrüßenswert, die pauschale Verunglimpfung aller Gegner homosexueller Sexpraktiken als "homophob" nicht eben reif und dem Ansehen von Menschenrechte.eu abträglich - insbesondere da hierzulande und in den USA zunehmend die Menschenrechte (Meinungs-, Gewissens- und Religionsfreiheit) von "Homophoben" bedroht sind. So falsch Musevenis Methoden sein mögen, seine Ziele sind immerhin nicht als reine Phantasien abzutun.

Kommentar von Team Menschenrechte.eu |

@ Leonard

Homosexuelle sind echte Menschen und wer ihre Rechte verletzt, verletzt die Menschenrechte. Es würde unserem Imgage mit Recht schaden, wenn wir uns nicht für die Rechte von Homosexuellen und damit für die Menschenrechte einsetzen würden. Deine Ausführungen zu den Meinungsfreiheitsrechten der Homosexuellengegner sind wenig überzeugend. Das Gleiche haben bereits weiße Rassisten vorgebracht, wenn sie gegen Schwarze hetzen wollen. Homophobie ist ebenso eine Menschenrechtsverletzung wie Rassismus oder Antisemitismus. Ebenso wird sie auch von uns behandelt.

Kommentar von Viktor Hogenkamp |

Phobie ist per definitionem eine Krankheit. Jemanden aufgrund einer Krankheit zu verfolgen oder gegen ihn zu hetzten ist eigentlich nicht human. Insofern ist der Ausdruck "homophob" ziemlich unglücklich gewählt. Eine Menschenrechtsseite sollte nicht den Ausdruck "echte" Menschen verwenden. Das impliziert, daß es auch unechte gibt ?! Eine Menschenrechtsseite sollte sich für Menschen einsetzen - für jeden und alle - also natürlich auch für Homosexuelle, wenn diese deshalb verfolgt werden.

Kommentar von Team Menschenrechte.eu |

"Homosexuelle sind echte Menschen und wer ihre Rechte verletzt, verletzt die Menschenrechte." Das bezog sich auf den vorherigen Kommentar, der meinte, wir sollten uns mit "echten" Menschenrechten beschäftigen.